8. April 2026 · 8 Min Lesezeit

Energy Sharing ab Juni 2026: Dein Leitfaden

In 8 Wochen passiert etwas Neues in Deutschland.

Nicht eine neue Förderrichtlinie. Nicht ein weiteres Bürokratie-Update.

Sondern ein komplett neues Modell dafür, wie Solarstrom genutzt und verkauft wird.

Ab 1. Juni 2026 dürfen Solarstromerzeuger ihren Strom direkt an Nachbarn und Mieter verkaufen. Über das öffentliche Netz. Automatisch abgerechnet. Das nennt sich Energy Sharing. Und es steht seit Dezember 2025 im deutschen Gesetz.

Für dich als Solarteur bedeutet das: Ein neuer Markt öffnet sich. Und du hast genau jetzt die Chance, der Erste in deiner Region zu sein der das versteht und anbietet.

Was Energy Sharing bedeutet — einfach erklärt

Bisher war das Modell für Solaranlagen simpel.

Anlage aufs Dach. Strom selbst verbrauchen. Rest ins Netz einspeisen. Für 7,78 Cent pro kWh.

Ab Juni kommt eine dritte Option dazu.

Energy Sharing bedeutet: Ein Erzeuger verkauft seinen Überschussstrom direkt an andere Verbraucher im selben Verteilnetzgebiet. Nicht über eine teure Direktleitung. Nicht über ein separates Netz. Sondern über das öffentliche Stromnetz — wie Strom immer transportiert wird.

Das rechtliche Fundament steht. § 42c des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG). Der Bundestag hat das im November 2025 verabschiedet. In Kraft seit Dezember 2025.

Ab dem 1. Juni 2026 sind Netzbetreiber gesetzlich verpflichtet, das zu ermöglichen. Kein "vielleicht". Kein "wir prüfen das". Ein Muss.

Und ab 2028 gilt das auch über benachbarte Netzgebiete hinaus. Dann können Betriebe und Haushalte verschiedener Stadtteile gemeinsam Energy Sharing betreiben.

Produzenten und Verbraucher müssen dafür nur im selben Verteilnetzgebiet liegen. Das bedeutet in der Praxis: selbe Stadt, oft sogar nur selbes Viertel reicht aus.

Die Zahlen: Warum das für deine Kunden so attraktiv ist

Reden wir über Geld. Das interessiert jeden Kunden.

Normale Einspeisung ins Netz: 7,78 Cent pro kWh. Das ist die gesetzliche Vergütung für Anlagen bis 10 kWp, Stand Frühjahr 2026. Zwanzig Jahre garantiert — aber nicht viel.

Mit Energy Sharing sieht die Rechnung komplett anders aus.

Wer seinen Strom direkt an Nachbarn oder Mieter verkauft, bekommt typischerweise 10 bis 20 Cent pro kWh. Das ist das Doppelte bis fast das Dreifache der normalen Einspeisevergütung.

Auf der anderen Seite: Der Käufer zahlt deutlich weniger als beim Versorger. Haushaltsstrom kostet aktuell rund 30 Cent pro kWh. Mit Energy Sharing bekommt er Strom für 10 bis 20 Cent. Ein echter Vorteil für beide Seiten.

Produzent verdient mehr. Verbraucher zahlt weniger. Beide gewinnen. Das ist ein Argument das zieht.

Für die Anlagengröße gilt ab sofort eine neue Faustregel: 1,5 bis 2,0 kWp pro Wohneinheit, plus Überschusspuffer. Warum größer als bisher? Weil jede kWh Überschuss mit Energy Sharing 12 bis 20 Cent bringt statt nur 7,78 Cent. Größere Anlagen rechnen sich damit erheblich besser als noch vor einem Jahr.

Das verändert das Gespräch mit dem Kunden grundlegend. Es geht nicht mehr nur darum Stromkosten zu senken. Es geht um Einnahmen.

Wer deine neuen Kunden sind

Einfamilienhausbesitzer kennen Solaranlagen. Viele haben schon eine. Oder sie haben sich bewusst dagegen entschieden.

Das große neue Potenzial liegt woanders: Mehrfamilienhäuser. Wohnungseigentümergemeinschaften. Gewerbeobjekte mit mehreren Mietern.

Genau diese Kunden hatten bisher ein Problem mit PV. Wer zahlt die Anlage? Wer bekommt den Strom? Wie wird das abgerechnet? Diese Fragen haben viele Investitionen gestoppt — bevor sie überhaupt angefangen haben.

Energy Sharing liefert Antworten auf genau diese Fragen.

Der Hauseigentümer oder die WEG investiert in die Anlage. Der produzierte Strom geht direkt an die Nutzer im Gebäude. Zu einem fairen Preis — über dem Einspeisesatz, unter dem Versorgertarif. Die Anlage wirft monatlich Geld ab statt nur Kosten zu senken.

Ein Mehrfamilienhaus mit 10 Wohneinheiten braucht nach dieser Faustregel 15 bis 20 kWp. Kein Riesenprojekt. Aber ein ordentlicher Auftrag. Und ein ganz anderes Gespräch als "Eigenverbrauch optimieren".

Statt einem Einfamilienhaus-Kunden pro Auftrag: eine WEG mit 12 Parteien. Ein Gespräch. Ein Projekt. Viel mehr kWp.

Noch interessanter: Quartierslösungen. Mehrere Gebäude, mehrere Anlagen, ein gemeinsames Sharing-Modell. Das ist die große Chance der nächsten Jahre. Kommunen, Stadtentwickler und Wohnungsbaugesellschaften denken bereits darüber nach.

Wer jetzt die Expertise aufbaut, ist der natürliche Ansprechpartner wenn diese Projekte anlaufen.

Die drei Hürden — ehrlich gesagt

Es wäre gelogen zu sagen: Energy Sharing startet am 1. Juni und läuft sofort reibungslos.

Es gibt drei echte Hürden die du kennen musst.

Hürde 1: Smart Meter. Für Energy Sharing braucht jeder Teilnehmer einen intelligenten Stromzähler. Ohne Smart Meter keine automatische Abrechnung des geteilten Stroms. Der Smart Meter Rollout in Deutschland läuft — aber langsam. Sehr langsam. Viele Gebäude haben noch keinen. Das ist der erste Engpass bei jedem Projekt.

Dein erster Schritt bei jedem Interessenten: Messlage prüfen. Welche Zähler sind im Gebäude vorhanden? Wann kommt der Rollout beim lokalen Netzbetreiber? Das bestimmt ob ein Projekt 2026 oder erst 2027 umsetzbar ist.

Hürde 2: Netzbetreiber. Sie sind ab Juni gesetzlich verpflichtet Energy Sharing zu unterstützen. Aber verpflichtet und kooperativ sind zwei verschiedene Dinge. Erfahrungen aus anderen Ländern zeigen: Netzbetreiber können sich querstellen. Lange Prüfzeiten. Fehlende Portale. Formale Hürden.

Das bedeutet nicht aufgeben. Das bedeutet: Netzbetreiber früh in die Planung einbeziehen. Proaktiv anfragen. Und einplanen dass Genehmigungsprozesse mehr Zeit brauchen als eigentlich nötig.

Hürde 3: Abrechnungssoftware. Wer rechnet ab — und wie? Das braucht Software die Erzeugung, Verbrauch und Sharing-Anteile automatisch erfasst und aufteilt. Solche Lösungen gibt es. Aber sie sind noch nicht überall bekannt und erprobt.

In den nächsten Monaten werden hier neue Anbieter auf den Markt kommen. Behalte das im Blick. Ein Solarteur der nicht nur die Anlage installiert, sondern auch das Abrechnungsmodell mitdenkt, hat einen klaren Vorteil gegenüber der Konkurrenz.

Warum gerade jetzt der richtige Zeitpunkt ist

Es gibt einen Grund warum du heute, im April 2026, anfangen solltest dich damit zu beschäftigen. Und nicht erst im September.

Energy Sharing ist so neu dass die meisten Solarteure in Deutschland es noch nicht auf dem Schirm haben. Die sind gerade beschäftigt mit der Auftragsflaute, den gestiegenen Modulpreisen und dem drohenden Wegfall der Einspeisevergütung ab 2027.

Das ist dein Zeitfenster.

Wer als Erster in seiner Region Energy Sharing anbieten kann, hat einen Vorteil der schwer aufzuholen ist. Hausverwalter und WEGs reden miteinander. Erste Referenzprojekte sprechen sich rum.

Und es gibt noch einen Zeitdruck auf Kundenseite: Wer bis Ende 2026 eine Anlage in Betrieb nimmt, sichert sich noch 20 Jahre feste Einspeisevergütung als Fallback-Option. Ab 2027 gilt das laut aktuellem EEG-Referentenentwurf für neue Anlagen nicht mehr. Das ist ein echtes Argument für schnelle Entscheidungen beim Kunden.

Energy Sharing plus letztes EEG-Fenster — das sind zwei starke Argumente gleichzeitig.

Was du jetzt konkret tun kannst

8 Wochen Vorsprung. Das reicht für eine gute Ausgangslage. Hier sind die wichtigsten Schritte:

Fazit

Energy Sharing ist kein Trend. Es steht im Gesetz. Ab 1. Juni 2026.

Für Solarteure öffnet sich ein neues Marktsegment: Mehrfamilienhäuser, WEGs, Quartierslösungen. Kunden die bisher kaum in PV investiert haben — weil sich das Modell nicht gerechnet hat.

Jetzt rechnet es sich. Bis zu 20 Cent pro kWh statt 7,78. Das ist ein anderes Gespräch.

Du hast gerade 8 Wochen Vorsprung vor den meisten deiner Konkurrenten. Die sitzen auf Auftragsflaute und denken an Preiskämpfe. Du kannst heute anfangen, Hausverwalter anzuschreiben und ein neues Segment aufzubauen.

Der Markt öffnet sich. Die Frage ist: Wer ist der Erste?


Dieser Artikel erschien zuerst auf blog.solarmeister.eu
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